Donnerstag, 21. Juni 2012

The Bunny Game (2010)

Hier herrscht die Realität.
Sylvia Gray (gespielt von Rodleen Getsic) lebt in einem scheinbar endlosen Kreis. Um ihre Sucht nach Kokain zu stillen, verdient sich die junge Frau ihr Geld mit Prostitution.
Sie lebt nicht in den Tag hinein. Sylvia ist ständig auf der Suche nach einem zahlenden Kunden, der ihr die nächsten Nasen finanziert. Als sie jedoch auf den Trucker "Hog" stößt, verkörpert durch Jeff Renfro, wird ihr schnell klar, dass ihr dieses Mal Schlimmeres bevorsteht, als nur ausgeraubt zu werden.

Der Film oder vielmehr das "Erlebnis" beginnt damit, dass Sylvia, überall bekannt als The Bunny, gerade ihr Geld verdient, indem sie einen Blowjob gibt. Die Kamera hält hierbei voll drauf und wie ich mit dem obigen Satz schon angedeutet habe: Hier ist nichts gestellt.
Sie ist sichtlich angewidert, weiss jedoch genau, dass diese Qual nötig ist, um sich die nächsten Lines legen zu können. Das ist Sylvias Alltag. Sie irrt umher, ohne Aussicht auf Erlösung und fristet ihr heruntergekommenes Dasein. Sie wird benutzt, weint sich in der Dusche ihre "Seele" aus dem Leib, wirft sich wieder in Schale und bringt sich mit ein paar Nasen Koks auf Vordermann.


Ein neuer Tag, der so wie jeder andere zu sein scheint. Das Häschen hoppelt eine lange Straße entlang, den Blick stets auf vorbeifahrende Autos gerichtet, dessen Fahrer sich als zahlende Kunden entpuppen könnten. Plötzlich vernimmt sie ein ohrenbetäubendes Geräusch. Sie dreht sich um und erblickt einen riesigen, schwarzen Truck, der direkt hinter ihr zum Stehen gekommen ist. Sie versucht ihr Glück und nähert sich der Fahrerkabine, in der sie schnell Platz nimmt. Es entwickelt sich ein Gespräch zwischen dem Trucker Hog und der Protagonistin und es scheint so, als würde es auf einen ganz normalen Job hinauslaufen. Die beiden ziehen ein paar Nasen und unterhalten sich weiter, bis Hog die Dame anfasst, belästigt und letztendlich mit Gewalt in Ohnmacht versetzt. Mit dem Bunny im Truck fährt er in die Wüste, wo er sie dann über mehrere Tage auf grauenvollste Art und Weise foltert. Das ist die Story.


Wer nun an einen üblichen Torture-Porn oder sinnloses Gemetzel denkt, täuscht sich, denn der Film ist alles andere als das. Ganz bewusst hat Regisseur Adam Rehmeier seinen Film anders aufgezogen. Im gesamten Film fließt nicht ein Tropfen Blut, die Gewalt findet hier auf einer ganz anderen Ebene statt.
Im Sattelzug des Trucks gefesselt, muss Sylvia sich den grauenvollen Einfällen Hogs hingeben.
Sie wird bespuckt, geschlagen, missbraucht und muss die Vorführung eines Videos über sich ergehen lassen, das Hog zeigt, wie er eine andere Frau auf sehr ähnliche Weise quält. Und auch an dieser Stelle möchte ich noch einmal ausdrücklich betonen, dass wirklich nichts gestellt ist. Der Blowjob ist real, die Schläge sind real, das Brandmarken ist real.. lediglich der Konsum von Drogen und Alkohol ist nicht echt.
Als Zuschauer hat man natürlich Mitleid mit dieser hilflosen Person, man fühlt die Schmerzen, eben weil diese so real sind. Man erwartet, dass es das übliche Spiel zwischen einer wehrlosen Frau und einem starken, kräftig gebauten Mann ist, welches man so häufig in Film und Fern sieht. Das ist hier jedoch nicht der Fall.
Schon zu Beginn des Films ist die Protagonistin nichts weiter als eine leblose Hülle, ein Sexspielzeug. Erst gegen Ende des Films, als sie aus dem Truck in die offene Wüste rennt, sieht man so etwas wie Licht in ihrem Gesicht. Dieser Punkt lässt sich ziemlich gut mit dem Nirwana, einem Schlüsselbegriff des Buddhismus, vergleichen. Zum Verständnis ein Auszug aus Wikipedia:
Nirwana [...] ist ein buddhistischer Schlüsselbegriff, der den Austritt aus dem Samsara, dem Kreislauf des Leidens und der Wiedergeburten (Reinkarnation) durch Erwachen (Bodhi) bezeichnet.
Rodleen Getsic, eine wirklich sehr hübsche Künstlerin, hat zuvor 40 Tage lang gehungert, um sich in diese Rolle einzufinden. Sie wurde zu Sylvia Gray, daher kann hier auch keine Rede von einem Schauspiel sein. Aufgrund einer Erfahrung in ihrem Leben, die sich als Entführung beschreiben lässt, hat sie sich zu diesem Film entschlossen, als eine Art Verarbeitung dieser Ereignisse. Sie selbst beschreibt ihre Rolle als Therapie.

Die Rolle des Truckers Hog wird durch Jeff Renfro dargestellt, der sogar im realen Leben ein Trucker ist. Auch er lässt zu keiner Zeit zu, dass man sich Gedanken über ihn als Person macht. Man sieht nur Hog, einen grobschlächtigen, alten Truckfahrer, der jedem den Kopf abreisst, der ihm schief kommt. Besonders dieses Verhältnis zwischen dem zerbrechlichen Bunny und diesem angsteinflößenden Wahnsinnigen trägt zur Intensität von The Bunny Game bei.

Auch stilistisch kann The Bunny Game überzeugen. Die ansprechende schwarz/weiss-Optik sorgt nicht nur für schicke Bilder, sie fokussiert den Blick auf die Handlung sowie die Atmosphäre und lässt somit nicht zu, dass irgendwelche farbigen Elemente davon ablenken.
Rasante Bildschnitte und hektische Kameraführungen durchziehen den Film von Anfang bis Ende, was ebenfalls für eine ganz bestimmte Atmosphäre sorgt. Die harte, musikalische Untermalung der Band Harrassor trägt ihr Übriges dazu bei.

Mit diesem Film hat man einen extremen Horror-Streifen, bei dem sich die Geister verständlicherweise scheiden. Nicht jeder kann sich dieses Werk anschauen, viele Zuschauer verließen bereits nach wenigen Minuten die Vorführungen. Die Gewalt ist real und wer damit seine Probleme hat, sollte dieser Hatz keine Aufmerksamkeit schenken. All denen, die auf der Suche nach richtigem Horror oder einfach extrem neugierig sind, lege ich The Bunny Game ans Herz und verspreche ein wirklich intensives Filmerlebnis. Es ist Kunst, wenn auch eine sehr spezielle Form.

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Dass ein solcher Film Schwierigkeiten mit einer Veröffentlichung hat, dürfte klar sein. Selbst in England ist der Streifen durch die Prüfung der BBFC gefallen und somit wurde der Vertrieb auf der Insel untersagt. Kurzum: Der Film wurde verboten.
Glücklicherweise hat sich das österreichische Label ILLUSIONS UNLTD. films dem Werk Rehmeiers angenommen und eine vorbildliche Veröffentlichung auf den Markt gebracht. Dieser Prozess war jedoch auch ein sehr schwieriger, wollte sich weder ein Synchronstudio noch ein Presswerk dazu bereit erklären, mit dem Film zu arbeiten. Letztendlich ließen sich eben jene doch noch finden und so wurde erst kürzlich ein auf 2000 Stück limitiertes Mediabook veröffentlicht, welches den Film auf Blu-Ray und DVD enthält. Diese verfügen nicht nur über eine hervorragende Bild- und Soundqualität, auch bieten sie erstmalig eine komplette deutsche Synchronisation. Zudem lässt sich dort der originale Trailer, ein Musikvideo mit Rodleen Getsic sowie ein sehr informatives Making-Of des Films finden. Abgerundet wird das Ganze durch ein 32-seitiges Booklet, das neben Informationen zum Film auch ein Interview mit dem Regisseur, den Beschluss des BBFCs und einen Text zur Zensurproblematik beinhaltet. Eine würdige Veröffentlichung, großen Dank dafür an Illusions!



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